Ursprung von Baudenkmal und Denkmalimmobilien

Woher kommt das Baudenkmal – Ursprung und Definition

Denkmal – Definition und Ursprung

Das Denkmal, in seiner Mehrzahl korrekt als Denkmale oder Denkmäler bezeichnet, ist entweder ein Monument oder ein erhaltenes Kunstwerk. Diese beiden grundlegenden Bedeutungen assoziiert der allgemeine Sprachgebrauch (auch laut Duden) mit dem Begriff des Denkmals. Sie lassen sich ausdifferenzieren, denn das Monument wurde als plastische (größere) Darstellung zum Gedächtnis an Personen und/oder Ereignisse errichtet (Völkerschlachtdenkmal, Arc de Triomphe, Siegessäule), während das erhaltene Kunstwerk nicht vorrangig zum Gedenken an jemanden geschaffen wurde. Es gibt zwar solche Widmungen (Beethoven widmete seine III. Sinfonie „Eroica“ dem Feldherrn Napoleon Bonaparte und verwarf die Widmung später), doch die meisten erhaltenen Kunstwerke wurden um ihrer selbst willen und – im Falle von Wohnhäusern als Baudenkmalen – aus ganz praktischen Gründen geschaffen. Erst später entdeckte man, dass sie über die Kultur ihrer Zeit ein unwiederbringliches Zeugnis ablegen. Dementsprechend ist nicht alles, was im Immobilienbereich älter als 100 Jahre ist, als Denkmal zu würdigen. Bau- und Bodendenkmale sind bisweilen dafür prädestiniert, die hohen Weihen des UNESCO-Weltkulturerbes zu erhalten, die auch wieder aberkannt werden können – wie im tragischen Fall des Dresdner Elbtales, nachdem die Stadtväter unbedingt die zusätzliche Feldschlösschenbrücke über den Fluss bauen mussten.

Würdigung als Denkmal

Die oben beschriebene Definition stammt aus dem Wissenschafts- und Kulturbetrieb, doch Investoren, die ein Baudenkmal erwerben und sanieren, benötigen etwas handfestere Deutungen. Diese finden sich in den Denkmalschutzgesetzen der Bundesländer, doch es bleibt de jure eine Einzelentscheidung, welches Bau- oder sonstige Kunstwerk als Denkmal gewürdigt und entsprechend gefördert wird. Natürlich gehen die Fachleute und verbeamteten Denkmalshüter der Kommunen vergleichend vor. Sollte also ein Straßenzug im Bauhausstil zum Denkmal geworden sein, dürfte seinem Zwillingsbruder im benachbarten Stadtviertel Gleiches widerfahren. Es gibt dennoch Definitionen, an die sich alle Denkmalschutzbehörden halten. Ein Denkmal muss Zeugnis von der kulturellen Menschheitsentwicklung ablegen, dann wird ihm sein Status im Rahmen der weltweiten, übergreifenden Erinnerungskultur zugesprochen. Alle Beteiligten sind sich einig, dass der historische, künstlerische, architektonische, städtebauliche, politische, technische oder landschaftsgestalterische Wert unbestreitbar vorliegt. Das öffentliche Interesse an der Erhaltung des Denkmals wird damit institutionalisiert, das Denkmal wird fortan durch das Denkmalschutzgesetz geschützt. Niemand darf es beispielsweise einfach abreißen, auch der Besitzer nicht. Auch die Fortwidmung von Denkmalen ist möglich, ein Monument (Reiterstandbild, Siegessäule) kann nachträglich zum geschützten Baudenkmal werden. Naturdenkmale erhalten ihren Wert auf zwei Wegen: Entweder sind sie archäologisch so bedeutsam, dass sie erhalten werden sollen wie die Fossilienklippen von Joggins (Kanada), die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören, oder sie wurden von Menschen als Kunstwerk angelegt wie die Gartenkunst des Fürsten Pückler (1785 – 1871) in den Parks Bad Muskau und Branitz (bei Cottbus, der späteren Heimat Pücklers). (Einige Fachleute halten Pückler für bedeutender als Lenné, den Schöpfer des Parks von Sanssouci.) Auch eine von Menschen gepflanzte Kaisereiche mit ihrem gestalteten Umfeld kann zum Denkmal werden.

Begriffsgeschichte des Denkmals

Martin Luther (1483 – 1546) verwendet in seinen Schriften das Wort „Denkmal“, es ist die erste bekannte Verwendung dieses Begriffs im heute geläufigen Kontext, nämlich als „Gedächtnisstütze“. Luther übersetzte mit diesem Begriff das lateinische „momentum“ („erinnern“, „gemahnen“) und das griechische „mnemosynon“ (oder μνήμη [mnēmē] = „Gedächtnis“). In den Jahrhunderten nach der Lutherischen Bibelübersetzung wurde teilweise alles von allgemeinem Interesse als „Denkmal“ bezeichnet, der Begriff war bis in die 1880er Jahre ein Synonym für das Monument. Erst die Kriege zwischen 1870 bis 1918 erhoben das Monument auf eine neue Stufe. Das Denkmal setzte sich dann etymologisch ab und wurde in der Bau- und Kunstgeschichte (bis heute) nicht völlig identisch als Begriff eingesetzt. Die Kunstgeschichte meint mit Denkmal die Erinnerung, auch das geflügelte Wort „ihm/ihr wurde ein Denkmal gesetzt“ stammt aus der Kunst. Der Denkmalschutz im städtebaulichen Bereich meint etwas anderes.

Aktuelle Begriffsdefinition

Alle mit dem Denkmalbegriff befassten Autoren heben seit fast zweihundert Jahren dessen Heterogenität hervor. Man unterteilte ihn freilich in den engeren und weiteren Denkmalbegriff, was erstmals 1816 im Conversations-Lexikon ausdifferenziert und bis in die Gegenwart tradiert wurde. Im weiteren Sinne soll ein Denkmal demnach kulturgeschichtlich bedeutsam, im engeren Sinne ein Erinnerungsdenkmal für ein Ereignis oder eine Person sein. Der deutsche Historiker Gustav Droysen (1838 – 1908) unterschied Denkmäler „aus der Zeit“ und „für die Zeit“. Diese Unterscheidung kennzeichnet den Umgang der Menschen mit ihrer Vergangenheit und der Erinnerung daran, wobei dieser Umgang zu einer Erinnerungskultur führt, die Schlussfolgerungen für die Zukunft zulässt. Brockhaus bezeichnet die Bau- und Bildhauerkunstwerke zur Erinnerung an Personen/Ereignisse als Denkmale, im „Lexikon der Kunst“ gilt wiederum jedes plastische oder architektonische Werk als Denkmal, das Andenken bewahren soll und damit bewusst die vorherrschenden Ideen der historischen Formation propagiert. Nicht umsonst werden nach Revolutionen und Kriegen die Denkmäler der Verlierer gern geschliffen. Dabei konfrontieren sie uns doch mit unserem Erbe, unserer unerbittlich in die Gegenwart hineinragenden Geschichte. Auch stellen sie in vordemokratischen Gesellschaften ein Bindeglied zwischen Herrschenden und Beherrschten dar, denn das Volk erhielt durch ein Denkmal die Vermittlung des propagierten Ideals – in Deutschland vom Kaiserreich bis zum Nationalsozialismus/Kommunismus -, während sich die Herrschenden durch die Errichtung von Denkmälern an ihre Fürsorgepflicht gebunden sahen. Bezeichnenderweise lassen sich demokratische Herrscher nur äußerst behutsam Denkmäler setzen. Das Denkmal als Monument soll erinnern (lateinisch „monere“) und die Jugend erziehen, was sich ab dem frühen 19. Jahrhundert auch in Inschriften auf Denkmälern ausdrückte. Um diese Funktion wahrzunehmen, muss ein Denkmal öffentlich zugänglich sein.

Jüngste Entwicklungen der Begriffsdefinition

Seit dem 19. Jahrhundert und besonders im 20. Jahrhundert musste die durch Kriege und konträre Ideologien geschüttelte mitteleuropäische Gesellschaft eine Haltung zur Begrifflichkeit des Denkmals entwickeln, denn junge Männer wurden von den Denkmälern auf die Schlachtfelder geschickt. Die Massenaufzüge des 20. Jahrhunderts unter kultischen Denkmälern brauner und roter Diktatoren beweisen, welch mächtige Wirkung ein Monument entfalten kann. Diese Wirkung wurde schon vor den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts erkannt, ebenso wie die psychologische Wirkung von Massen aufeinander bereits in den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts exakt beschrieben wurde (Sigmund Freud: „Massenpsychologie und Ich-Analyse“, Wien 1921). Der österreichische Historiker Alois Riegl (1858 – 1905) fasste in seinem Aufsatz „Der moderne Denkmalskultus“ die Funktion des Denkmals als Zweck zusammen, nämlich die Geschicke und Taten großer Persönlichkeiten ins Bewusstsein der Nachfahren zu rücken und damit lebendig zu halten. Ob es sich um ein Kunst-, Schrift- oder Architekturdenkmal handelt, scheint dabei nach Riegl gleichgültig zu sein, womit der Denkmalbegriff möglicherweise erstmals seinen kunsthistorischen Anstrich erhielt. Alois Riegl hielt es vielmehr für essenziell, das richtige Ausdrucksmittel für die Darstellung zu finden, das aus der bildenden Kunst ebenso wie aus der Schrift stammen konnte. Rund einhundert Jahre (1984) später macht der Kunsthistoriker Helmut Scharf in seiner „Kleinen Kunstgeschichte“ auf die dialektische/duale Besonderheit von Denkmalen aufmerksam. Diese existieren nach Scharf ebenso als Objekt wie als dessen Bezeichnung. Das Denkmal ist zunächst ein Sprachsymbol für etwas Konkretes, also das Bauwerk oder die Plastik, der metaphorische Einsatz des Begriffes ist eher unüblich. Im weiteren Sinne wird die Begrifflichkeit des „Denkmals“ aber auch für sämtliche sinnlich und kognitiv erfassbaren Seinsebenen gebraucht. Das bedeutet: Die Olympiade ist ein Denkmal, ebenso setzten sich die Sportler mit ihrem olympischen Sieg ein Denkmal, und zwar sich selbst und natürlich ihrem Land. Beethovens „Eroica“ sollte ein Denkmal für Napoleon werden und wurde eines für die Freiheitsliebe des gegen den französischen Despoten aufbegehrende deutsche Volk. Die Berliner Mauer war eine barbarische Schneise durch die geteilte Stadt, ihre Teile sind heute Denkmäler – was für ein Bedeutungswandel! Oder, um es mit Helmut Scharf zu sagen: Menschen definieren ihre Denkmale je nach deren Stellenwert im tradierten und/oder vorherrschenden Bewusstsein, zudem stets innerhalb einer spezifischen gesellschaftlich-historischen Situation.
Der Definitionsrahmen ist also von den Rahmenbedingungen abhängig, was für Bauwerke bedeuten könnte, dass ihnen aktuell ein Denkmalstatus zugemessen wird, den spätere Generationen verwerfen – und umgekehrt (das berührt nicht die gesetzliche Förderung, für die stets der Bestandsschutz greift). Die Aspekte des kulturellen Gedächtnisses und der Erinnerungskultur knüpfen sich an den Denkmalsbegriff. Menschen bewahren ihre Denkmale, oder sie schleifen sie wie nach 1945 und nach 1989 in Deutschland, um kollektiv vergessen zu können. Es fragt sich also, welche Dauerhaftigkeit und welche Öffentlichkeit einem Denkmal zusteht, das in sich ein memoriertes (erinnertes) sowie ein rein künstlerisches Merkmal trägt. Diese Dichotomie (Zweiteilung) der komplementären Bereiche des Denkmals wirft bei politisch intendierten Monumenten regelmäßig Probleme auf, wenn sich die politische Lage grundlegend ändert, wie sich am Umgang mit der Denkmalskunst aus Diktaturen ablesen lässt (die künstlerisch durchaus wertvoll sein kann). Kunsthistoriker fragen in diesem Zusammenhang nach der Sprachfähigkeit eines Denkmals und registrieren die Inschriften als eminenten Teil von Denkmälern, der zumindest als Gedenktafel angebracht wird. Diese Sprache von Denkmälern stößt regelmäßig gesellschaftliche Debatten an, die demokratische Staaten aushalten sollten – um nicht fortlaufend Denkmäler vom Sockel stürzen zu müssen.

 

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