Europäischer „Tag des Denkmals“

 Am 8. September 2013 findet in Deutschland zum wiederholten Mal der europäische „Tag des Denkmals“ statt, den eine konzertierte Initiative von Städten, Kreisen und Gemeinden, Vereinen und Verbänden, Bürgerinitiativen und privaten Denkmaleigentümern ins Leben gerufen hat. Die Ständige Kultusminister-Konferenz, Landesämter für Denkmalpflege und das Nationalkomitee für Denkmalschutz sind ebenso beteiligt wie die Deutsche Bischofskonferenz und die EKD, die Deutsche Burgenvereinigung und der BHU (Bund Heimat-und-Umwelt). Die zugrunde liegende Idee dabei ist, den Bürgerinnen und Bürgern Details der Denkmalpflege näherzubringen, etwa die Erklärung eines Laubenganghauses oder eines Cellariums, die nähere Erläuterung und Besichtigung von Ausgrabungen und die vielfältigen Initiativen zur Rettung von Baudenkmälern, die in Deutschland eine zurückreichende Tradition bis ins frühe 19. Jahrhundert haben.

Was erwartet uns zum Tag des Denkmals?

Der zweite Sonntag im September sorgt dafür, dass historische Bauten allen Menschen zugänglich sind, auch wenn sie sonst aus denkmalpflegerischen Gründen verschlossen bleiben. Die Intention heißt: Geschichte zum Anfassen. Denkmalpfleger berichten in fachkundigen Führungen über die aktuellen Anforderungen an die Denkmalpflege, Restauratoren, Archäologen und Handwerker demonstrieren deren praktische Umsetzung. Die Besucher lernen Details kennen, die sonst leicht zu übersehen sind, sie werden dadurch für unser kulturelles Erbe sensibilisiert. Das Thema zum diesjährigen Tag des Denkmals lautet: „Jenseits des Guten und Schönen: unbequeme Denkmale?“ Hierbei geht es um zentrale Fragen der Denkmalpflege, die sich tagtäglich stellen: Was soll als Denkmal erhalten bleiben, was eher nicht? Gibt es auch unbequeme Denkmale, und was macht sie unbequem? Diese Fragen sind für die Gesellschaft essenziell. Sie kann es sich nicht leisten, jedes ältere Gemäuer zu erhalten, doch in einigen Fällen müssen sich gegenwärtig und künftig lebende Generationen über das Baudenkmal mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen, auch wenn diese manchmal unangenehm oder einfach nicht durchweg ästhetisch ist, wie man das von einigen Industriedenkmalen sagen kann. Noch gravierendere Beispiele für unbequeme Denkmale wären etwa ehemalige Gefängnisse, die nicht einfach aus dem Gedächtnis zu tilgen sind. Nur auf diese Weise ist eine Gesellschaft imstande, sich mit dem Zauber und der Schönheit, aber auch den Schattenseiten ihrer Geschichte zu befassen.

Diskussion um Denkmalpflege zum Tag des Denkmals

Diese Diskussionen werden nicht nur zum alljährlichen Tag des Denkmals, sondern in der praktischen Arbeit der Denkmalpfleger tagtäglich geführt. Sie führen zur Weiterentwicklung von Denkmalschutzgesetzen, in denen daher einige Antworten auf die benannten Fragen zu finden sind. Dennoch stehen Fachleute unterschiedlichster Disziplinen immer wieder vor Einzelfallentscheidungen, die nicht einfach sind. Jedes Denkmal weist eine einzigartige Geschichte auf, es befindet sich in einem eigenen Kontext und ist durch einen mehr oder weniger stabilen baulichen Zustand gekennzeichnet. All diese Aspekte fließen in die Würdigung als Baudenkmal ein, hinzu kommen die Fragen, die der Tag des Denkmals im Jahr 2013 aufwirft. Warum könnte ein Denkmal unbequem sein, und warum soll es dennoch erhalten werden? Unbequeme Denkmale sind beispielsweise:

  • Denkmale mit politischem Hintergrund: Bunker und Festungsanlagen, Kriegerdenkmale, Konzentrationslager der NS-Zeit, Wachtürme und Grenzanlagen der DDR, Verwaltungs- und Versammlungsbauten der faschistischen und kommunistischen Ära
  • Kriegsgräberstätten vieler Jahrhunderte
  • Gefängnisse aller Jahrhunderte
  • Heime für Behinderte und Seuchenkranke aus früheren Jahrhunderten
  • Bauten der Nachkriegsmoderne zwischen 1950 bis 1980
  • ländliche Wohnbauten
  • baufällige Kirchen
  • Industriedenkmale

Diese Denkmale als solche zu würdigen und anschließend entsprechend der denkmalpflegerischen Gesetzeslage zu erhalten stellt eine enorme Herausforderung dar. Diese ergibt sich auch daraus, dass viele der genannten Gebäude kaum durch private Investitionen mit den entsprechenden steuerlichen Vorteilen zu erhalten sind, sie eignen sich einfach nicht für ein privates Investment. Es ist also die öffentliche Hand gefragt, die ihre Mittel für die Denkmalpflege zwar in einigen Bundesländern auf hohem Niveau erhält, in anderen jedoch (NRW) drastisch zurückfährt. Es ist nicht nur die öffentliche Hand, die sich solchen Überlegungen stellen muss. Auch Kirchen müssen abwägen, ob sie ein wenig besuchtes Gotteshaus umwidmen und daraus ein alternativ genutztes Baudenkmal machen oder es der Abrissbirne überlassen. Der sakrale Charakter von Kirchen sowie das Kirchenrecht lassen eine Umwidmung nicht in jedem Fall zu, was nur ein Beispiel für die vielen schwierigen Entscheidungen bei der Denkmalpflege abgibt.

Denkmalpflege und Archäologie

Während private Investoren hinsichtlich der Denkmalpflege ihren Fokus auf die nutzbaren Baudenkmale richten, müssen sich Denkmalschutzämter sehr stark mit dem Bereich der Archäologie auseinandersetzen, der kulturell enorm wichtig, dabei aber teuer und in keiner Weise gewinnbringend ist. Welche Funde bei einem Bauvorhaben zu erwarten sind, weiß vorab niemand. Es gibt Fundkomplexe, die vollkommen unerwartet entdeckt werden (in den meisten Fällen war eine Entdeckung erwartbar), sie stellen sich gleichzeitig als so bedeutend dar, dass sie außerplanmäßig erhalten werden müssen. Natürlich ist jedermann begeistert über solche Entdeckungen, ihre Bewahrung wird unumstritten befürwortet, doch sie kostet nicht wenig Geld. Im Einzelfall müssen Kompromissentscheidungen her, mit denen manchmal niemand recht glücklich ist, etwa eine Ausgrabungsstätte nicht vollständig freizulegen und ihre Funde öffentlich zugänglich zu machen, sondern nur die bedeutendsten (oder sämtliche) Artefakte ins Museum zu überführen. Historische Städte wie Rom, Köln, Damaskus, Ankara, Peking, Athen, Augsburg und Koblenz müssen solche Fragen ständig beantworten. Auch das sind unbequeme Entscheidungen, mit denen sich der diesjährige Tag des Denkmals beschäftigt.

 

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